(Der besseren Lesbarkeit wg in zwei Beiträge gesplittet)
Zu deinem Beitrag "König Ludwig": schön, dass man hier auch mal von Anderen Meinungen zu RB Leipzig liest! Deine Einschätzung ist richtig, beim Vorort-Termin vom King+mir am 28.März 2009 in Leipzig, haben wir in vielen Gesprächen mit Sachsen-Fans die Situation dort gut verstanden. Ich kann die Sehnsucht der Leipziger nach einem Top-Fussballverein verstehen. Des weiteren gehen im Osten reihenweise Fussballclubs unter, der Abstieg ist bezeichnend. Cottbus, Rostock sind die zwei Clubs mit Erstliga-Präsenz in den letzten 15 Jahren, die jetzt (fast) untergegangen sind. Die 1.BL hatte seit 1995 ff. leider nie großen Ostverein-Anteil. Die 2.BL jedoch ist da ein besserer Gradmesser. In der Saison 1997/1998 spielten vier Ostvereine in der 2.BL mit: Energie Cottbus, VFB Leipzig, FC CZ Jena und dem FSV Zwickau. Jedoch stiegen an genau am Ende dieser Saison prompt auch drei Ostvereine ab: Zwickau, Jena und Leipzig waren weg! Lediglich Jena ist bis heute ein Verein, der zwischen 3. und 2.BL hin- und herpendelt. Der VFB Leipzig wurde 2004 aufgelöst nachdem ein zweites Insolvenzverfahren eröffnet wurde, und das erste Insolvenzverfahren offensichtlich schlampig geführt wurde. Im Endeffekt kann man nur sagen "selbst schuld". Es gab Versuche in Leipzig nach der Liquidation des VFB Leipzig die Fussballkräfte in Leipzig zu bündeln, was aber nicht funktionierte.
Wikipedia meint dazu lapidar (ich zitiere): "Es gab Bestrebungen der Stadt Leipzig, die Kompetenzen des Leipziger Fußballs zu bündeln und so das Interesse potenzieller Investoren zu erhöhen. Allerdings scheiterte dieser Versuch (Schlagwort „VfB Sachsen Leipzig“ bzw. „1. FC Union Leipzig“) schnell an den starken, historisch bedingten Rivalitäten beider Vereinsführungen und Fanlager."
Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist anscheinend auch klar, dass mit der aktuellen Sponsor-Situation im Osten kein Fussballclub mittelfristig höher wie 3.Liga spielen kann. Die Einnahmen/Ausgaben scheinen sich für Vereine wie Erfurt, Aue etc. gerade so zu decken. Große Abenteuer sind nicht möglich. Wenn man bedenkt, dass es aber durchweg größere Städte sind, die diese Fussballvereine beherbergen, dann stimmt das einen schon nachdenklich. Ausgerechnet die größte Stadt Ostdeutschlands Leipzig wäre mit 520,000 Einwohnern prädestiniert durch Sponsoren und entsprechende Fanbasis einen Verein zu beherbergen, der mittelfristig sich in der 1.BL etabliert. Was ist aber seit 2004 passiert?
Dieses hier, 1.Lok Leipzig im Jahr 2004: http://www.bischofshol.de/fremde/deutschland.html
Lok hat im Jahr 2004 offensichtlich genug Sympathien gehabt in Leipzig der Fussballverein zu werden. Im Jahr 2010 ist das aber nicht der Fall, Lok zieht nicht. Im Gegenteil, der Verein ist ins Fadenkreuz zwielichtiger Zeitgenossen gekommen, vom Einstieg eines Großsponsors ist man weit entfernt. Einzig RB Leipzig hat Möglichkeiten dem Fussball dort eine 1.BL-Bühne zu bereiten, weil genügend Geld vorhanden ist. RedBull hat ja für 200 Mio. € mal ein neues Stadion in New York gebaut, und der Verein geht zielstrebig der 1.BL entgegen. Ein einmaliges Phänomen in Deutschland. Potenziell habe ich dagegen nichts einzuwänden, es ist ja schließlich jedermanns eigene Sache was er mit seinem Geld tut. Nur wird in Leipzig das Thema nicht menschlich vorangetrieben und alle relevanten Entwicklungsschritte einfach übersprungen. Die brauchen keine Fans und keine Fanszene. Wenn RB in der 1.BL ankommt, dann verkaufen sich die Dauerkarten und Eintrittskarten dort von alleine. Die Mainstream-Leute in Leipzig wollen professionellen Fussball, ganz egal welcher Verein. Die Leute, die RB adressiert werden so oder so kommen. Das ist der Unterschied zu IN, weil hier selbst Zuschauer schwierig zu mobilisieren sind. Hier lechzt man nicht nach Profifussball, ansonsten hätte sich seit 1982-2004 irgendwas bewegt. Hat hier niemanden interessiert, mit Bayern, 60 und dem Glubb waren genügend Möglichkeiten vorhanden. Des weiteren ist der FCI hier in IN nicht von einer Firma gegründet und mit seinen Funktionären gespickt. Auch hier gibt es historische Unterschiede. Und der Hauptunterschied ist, dass in Leipzig eine FIRMA einen Verein gegründet hat und nicht ein Mäzen oder so. Der 1.Lok als Fanprojekt hatte auch nie eine Chance in solche Strukturen einzusteigen.
Im Endeffekt kann man folgendes Fazit treffen: dadurch, dass in Leipzig jahrelang es niemand auf die Reihe bekommen hat, die Vereine, die sie hatten oben zu halten und diese Bankrott gegangen sind, ist es im Endeffekt nicht weiter verwunderlich, dass es jetzt RB schafft dort groß raus zukommen. Ich persönlich vermisse Seele und die richtige Einstellung bei diesem Verein. Die werden durch die RL Nord durchmarschieren und gut ist. Das Zentralstadion wird gut besucht sein und es wird immer wieder größere Randale geben. Aber ansonsten ist der Niedergang der Ostvereine analog zum wirtschaftlichen Niedergang der Region. Sponsoren bleiben aus, die Bevölkerung haut ab ... warum sollte diese Entwicklung vor den Fussballvereinen halt machen?