Ich sehe das Ganze nicht so negativ wie viele andere im Forum oder auf Instagram und Facebook.
Positiv:
Man hat durchaus gesehen, wozu die Mannschaft in der Lage ist, besonders in den ersten 20 Minuten. In dieser Phase hätte es auch gut und gerne 2:0 für uns stehen können, wenn wir die eine oder andere Chance genutzt hätten. Das hätte den weiteren Spielverlauf natürlich komplett verändern können.
Auch spielerisch hat man meiner Meinung nach gemerkt, dass in der Mannschaft deutlich mehr Qualität steckt als noch im vergangenen Jahr. Mit Lokotsch haben wir einen klassischen Stürmer, der weiß, wo das Tor steht. Teilweise war ich außerdem überrascht, wie gut unser Kurzpassspiel funktioniert hat und wie sauber wir uns aus engen Räumen lösen konnten.
Negativ:
Eines der größten Probleme in diesem Spiel war meiner Meinung nach die Ausdauer. Nach den ersten 20 Minuten und auch im Verlauf der zweiten Halbzeit wirkten wir teilweise ziemlich platt. Wir liefen den Gegner nicht mehr so konsequent an und standen häufig zu weit von unseren Gegenspielern entfernt.
Beim ersten Gegentor stand der Würzburger Spieler beispielsweise völlig frei vor dem Tor. Auch das zweite Gegentor hätte meiner Meinung nach komplett verhindert werden können. Das ist dann allerdings nicht nur eine Frage der Ausdauer, sondern auch der Mentalität und Konzentration.
Trotzdem sehe ich für die Saison keineswegs schwarz. Wir – und hoffentlich auch SW – haben gesehen, an welchen Stellen noch gearbeitet werden muss und welche Spieler möglicherweise aktuell eher für eine Halbzeit geeignet sind. Vor allem bei der Ausdauer scheint es noch Probleme zu geben.
Wenn wir ein kompaktes Spiel aufziehen wollen, müssen wir über die gesamte Spielzeit eng an unseren Gegenspielern bleiben und konsequent verschieben, damit wir gegnerische Angriffe und Konter frühzeitig unterbinden können.
Insgesamt wirkte die Mannschaft für mich spielerisch stärker als die aus der vergangenen Saison. Damals fehlte uns häufig eine klare Spielidee und in manchen Spielen bestand unser Offensivspiel gefühlt nur daraus, lange Bälle auf Costly zu schlagen, mit denen er aufgrund seiner Spielweise oft wenig anfangen konnte. Dieses Mal konnte man zumindest phasenweise erkennen, welche spielerische Idee hinter unserem Ansatz steckt.
Ein 2:2 gegen Würzburg ist für mich grundsätzlich in Ordnung, auch wenn es sich natürlich ein Stück weit wie eine Niederlage anfühlt. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass in den vergangenen Jahren einige Aufsteiger direkt eine gute Rolle gespielt haben und teilweise sogar den Durchmarsch geschafft haben. Dazu kommt die Aufstiegseuphorie, die eine Mannschaft wie Würzburg gerade zu Saisonbeginn mitbringt. Entscheidend wird deshalb sein, wie wir uns über die ersten zehn Spiele hinweg präsentieren. Danach lässt sich meiner Meinung nach deutlich besser einschätzen, wo wir tatsächlich stehen.
Unabhängig vom Spiel fand ich es außerdem positiv, dass verschiedene Feuerwehren aus der Umgebung ins Stadion eingeladen wurden. Solche Aktionen finde ich wichtig, um den Verein stärker in der Region zu verankern und neue Leute ins Stadion zu bringen.
Ebenfalls positiv fand ich, dass unser Stadionsprecher den Bezug zu unserer Historie hergestellt hat. Wenn ich es richtig im Kopf habe, hat der ESV damals sogar mit 7:1 gegen Würzburg gewonnen. Schön war auch, dass ein ehemaliger Spieler von damals im Stadion zu Gast war. Einerseits ist das genau die Wertschätzung, die ehemalige Spieler meiner Meinung nach verdienen. Andererseits stärkt man dadurch auch die Verbindung zur eigenen Geschichte und damit zu den Wurzeln des Vereins beim ESV und MTV. Solche historischen Bezüge dürfen beim FCI gerne häufiger aufgegriffen werden.